Die gif Gesellschaft für Immobilienwirtschaftliche Forschung e.V. stellt mit der „Green Lease Klassifizierung nach gif“ ein neues wissenschaftlich fundiertes online Tool inkl. Arbeitspapier zur standardisierten Bewertung nachhaltiger gewerblicher Mietverträge vor. Das Klassifizierungssystem ermöglicht erstmals eine strukturierte, nachvollziehbare und vergleichbare Einordnung der Nachhaltigkeitsqualität sogenannter Green Leases und trägt damit zur weiteren Professionalisierung ESG-konformer Vertragsgestaltungen bei. An der Entwicklung des Klassifizierungssystems waren Mitglieder der Kompetenzgruppe ESG der gif e.V. maßgeblich beteiligt: Tim Oberschelp, Sultan Bostan, Lydia Larsen, Dr. Ira Hörndler, Markus van Rickelen sowie Lara Fornalik.
Trotz der zunehmenden Bedeutung von Nachhaltigkeit in der Immobilienwirtschaft fehlte bislang ein einheitlicher Standard zur Bewertung der konkreten ESG-Ausgestaltung von Mietverträgen. Die neue Klassifizierung schließt diese Lücke, indem sie die Empfehlungen der ZIA-Publikation „GREEN LEASE 2.0 – vom grünen Mietvertrag zum ESG Lease“ in ein strukturiertes, anwendungsorientiertes Bewertungssystem überführt.
„Mit der Green Lease Klassifizierung schaffen wir eine einheitliche Grundlage, um Nachhaltigkeitsaspekte in Mietverträgen systematisch bewerten und vergleichbar machen zu können“, erklärt Tim Oberschelp, Leiter der Kompetenzgruppe ESG der gif e.V. Damit werde es möglich, die Wirkung einzelner Vertragsklauseln transparenter abzubilden und regulatorische Anforderungen besser in die Praxis zu übertragen. Die Bewertung erfolgt über ein dreistufiges Sterne-System, das sowohl die rechtliche Verbindlichkeit als auch die ökologische Relevanz der jeweiligen Regelungen berücksichtigt:
- ★ Green Lease (50–65 % der Punkte): grundlegende Maßnahmen mit Sensibilisierungscharakter
- ★★ Green Lease (65–80 %): verbindliche Vereinbarungen mit messbaren Nachhaltigkeitseffekten
- ★★★ Green Lease (ab 80 %): besonders ambitionierte Vertragsgestaltung mit klaren KPIs und Vorbildfunktion im Markt
Die Methodik basiert auf einem differenzierten Punktesystem, das zwischen unverbindlichen Bemühungsklauseln (1 Punkt) und rechtlich bindenden Verpflichtungsklauseln (2 Punkte) unterscheidet. Ergänzend erfolgt eine Gewichtung nach ökologischer Relevanz der jeweiligen Regelung. Das Modell wurde interdisziplinär entwickelt und im Rahmen einer wissenschaftlich begleiteten Marktumfrage unter 35 Marktteilnehmenden validiert.
Vor dem Hintergrund europäischer Regulatorik – insbesondere des European Green Deal, der EU-Taxonomie-Verordnung sowie der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) – gewinnt die standardisierte ESG-Bewertung von Mietverträgen zunehmend an Bedeutung. Die gif sieht in der Klassifizierung einen wesentlichen Beitrag zur Operationalisierung dieser Anforderungen in der Praxis.
„Die Anforderungen an Transparenz und Vergleichbarkeit von ESG-Leistungen steigen kontinuierlich. Mit der Green Lease Klassifizierung schaffen wir ein praxisnahes Instrument, das diesen Anforderungen gerecht wird“, so Oberschelp weiter.
Das Tool versteht sich ausdrücklich als Ergänzung zu den Empfehlungen des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA) und ist flexibel erweiterbar, um zukünftige Markt- und Vertragsentwicklungen abzubilden. Es kann ab sofort auf der Website der gif Gesellschaft für Immobilienwirtschaftliche Forschung e.V. getestet und genutzt werden. Zum Tool
gif Gesellschaft für Immobilienwirtschaftliche Forschung e.V.
Die Gesellschaft für Immobilienwirtschaftliche Forschung e. V. wurde am 15. Oktober 1993 gegründet und hat heute rund 1.500 Mitglieder. Der gemeinnützige Verein strebt die Zusammenführung von Theorie und Praxis an und trägt zur Klärung wichtiger immobilienwirtschaftlicher Fragestellungen sowie zur Verbesserung der Markttransparenz bei. Präsidentin der gif ist Prof. Dr. Verena Rock.
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Ansprechpartner: Katharina Seipel
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